Studien & Forschung

Im Internet finden sich zu fast jedem Nahrungsergänzungsmittel begeisterte Erfahrungsberichte – und ebenso viele warnende Stimmen. Was davon stimmt? Die Antwort liegt nicht in Meinungen, sondern in Daten.

Im Gesundheitsportal Wasserburg stützen wir jede gesundheitsbezogene Aussage auf wissenschaftliche Evidenz. Das bedeutet: Wir lesen und bewerten die Originalstudien, ordnen die Ergebnisse in den Gesamtkontext der Forschung ein und machen die Qualität der Datenlage für Sie transparent. Kein Inhaltsstoff erhält eine positive Bewertung allein deshalb, weil eine einzelne Studie einen Effekt nahelegt – und kein Inhaltsstoff wird pauschal abgelehnt, solange die Evidenz differenziert betrachtet werden muss.

Auf dieser Seite erläutern wir, welche Quellen wir nutzen, wie wir Studien bewerten und was unser Evidenz-Bewertungssystem bedeutet.

„Vertrauen in Gesundheitsprodukte beginnt mit Transparenz über die Datenlage. Wer versteht, woher eine Aussage stammt und wie belastbar sie ist, trifft bessere Entscheidungen.“

– Prof. Dr. Hans-Jürgen Weber, Wissenschaftlicher Beirat

Unsere Quellen – Woher wir unsere Informationen beziehen

Nicht jede Quelle ist gleich vertrauenswürdig. Wir unterscheiden zwischen primären Quellen – den Originalstudien und offiziellen Registern – und sekundären Quellen, die diese zusammenfassen oder interpretieren. Unsere Redaktion greift bevorzugt auf primäre Quellen zurück:

PubMed / MEDLINE

PubMed ist die weltweit größte biomedizinische Literaturdatenbank, betrieben von der U.S. National Library of Medicine. Sie umfasst über 36 Millionen Einträge aus mehr als 5.000 Fachzeitschriften. Für uns ist PubMed die erste Anlaufstelle bei jeder Inhaltsstoff-Recherche: Hier finden wir die Originalstudien – von kleinen Pilotstudien bis hin zu großen Meta-Analysen –, die wir anschließend nach unseren Qualitätskriterien bewerten.

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Cochrane Library

Die Cochrane Library gilt als Goldstandard für systematische Reviews in der Medizin. Cochrane-Reviews fassen die Ergebnisse aller verfügbaren Studien zu einer bestimmten Fragestellung zusammen und bewerten deren Gesamtevidenz nach strengen methodischen Kriterien. Wenn ein Cochrane-Review zu einem Inhaltsstoff vorliegt, hat dieser in unserer Bewertung besonderes Gewicht – denn er repräsentiert den aktuellen Konsens der Forschung.

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EFSA Health Claims Register

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führt das offizielle Register der in der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel. Gemäß der EU-Verordnung 1924/2006 dürfen nur wissenschaftlich belegte Health Claims verwendet werden. Dieses Register ist für uns die verbindliche Referenz: Was hier nicht gelistet ist, darf nicht als gesicherte Gesundheitswirkung kommuniziert werden – und wird in unseren Texten entsprechend differenziert dargestellt.

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Weitere Quellen

Ergänzend greifen wir auf weitere anerkannte Quellen zurück:

DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Ernährungsberichte und Positionspapiere – die maßgebliche Instanz für Ernährungsempfehlungen in Deutschland.

WHO / RKI: Epidemiologische Daten, Impfempfehlungen und globale Gesundheitsrichtlinien für den übergeordneten gesundheitspolitischen Kontext.

Peer-reviewed Fachzeitschriften: The Lancet, JAMA, BMJ, Nature, Nutrients, Journal of Nutrition und weitere – für aktuelle Einzelstudien, die noch nicht in Übersichtsarbeiten erfasst sind.

So bewerten wir Studien – Von der Einzelstudie zur Gesamtevidenz

Nicht jede Studie ist gleich aussagekräftig. Eine In-vitro-Untersuchung im Reagenzglas hat eine völlig andere Beweiskraft als eine groß angelegte, randomisierte kontrollierte Studie mit tausenden Teilnehmern. Um diese Unterschiede transparent zu machen, orientieren wir uns an der sogenannten Evidenzpyramide – einem international anerkannten Modell zur Einordnung wissenschaftlicher Belege.

Was die Studientypen bedeuten

Meta-Analysen und systematische Reviews stehen an der Spitze der Pyramide. Sie fassen die Ergebnisse vieler Einzelstudien mathematisch zusammen und liefern die belastbarsten Aussagen. Wenn eine gut durchgeführte Meta-Analyse vorliegt, bildet sie in der Regel die Grundlage unserer Bewertung.

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) sind das Arbeitspferd der klinischen Forschung. Teilnehmer werden zufällig einer Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugewiesen, idealerweise verblindet. Ein einzelner hochwertiger RCT kann bereits eine aussagekräftige Evidenzgrundlage darstellen.

Kohorten- und Beobachtungsstudien beobachten bestehende Gruppen über längere Zeiträume, ohne aktiv einzugreifen. Sie können Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Kausalität beweisen. Wir kennzeichnen Ergebnisse aus Beobachtungsstudien entsprechend.

Tierstudien und In-vitro-Untersuchungen liefern wichtige Hinweise auf mögliche Wirkmechanismen, lassen sich aber nicht direkt auf den Menschen übertragen. Wenn ein Inhaltsstoff ausschließlich durch Tier- oder Laborstudien gestützt wird, machen wir das deutlich.

Unsere Bewertungskriterien

Bei der Einordnung einer Studie prüfen wir systematisch:

  • Studiendesign: Handelt es sich um einen RCT, eine Kohortenstudie oder eine Beobachtungsstudie? Wie hochwertig ist das Design?
  • Teilnehmerzahl: Wie groß war die Stichprobe? Größere Studien liefern in der Regel belastbarere Ergebnisse.
  • Peer-Review-Status: Wurde die Studie in einer peer-reviewed Fachzeitschrift veröffentlicht? Nicht-begutachtete Preprints bewerten wir mit Vorsicht.
  • Interessenkonflikte: Wurde die Studie von einem Hersteller finanziert? Das macht sie nicht automatisch ungültig, erfordert aber besondere Aufmerksamkeit bei der Interpretation.
  • Reproduzierbarkeit: Wurden die Ergebnisse durch unabhängige Studien bestätigt? Ein einmaliges Ergebnis ist ein Hinweis, kein Beweis.
  • Relevanz für den Menschen: Stammen die Daten aus Humanstudien oder aus Tier-/In-vitro-Versuchen? Wir kennzeichnen die Übertragbarkeit.

So arbeitet unsere Redaktion – Der vollständige Prozess →

Unser Evidenz-Bewertungssystem – Was die Sterne bedeuten

Um die wissenschaftliche Datenlage für Sie auf einen Blick einordbar zu machen, verwenden wir ein fünfstufiges Evidenz-Bewertungssystem. Dieses System finden Sie auf jeder unserer Inhaltsstoff-Analysen und Produktbewertungen. Es fasst die Gesamtevidenz zu einem Wirkstoff zusammen und basiert auf den oben beschriebenen Bewertungskriterien.

StufeBezeichnungBedeutung für unsere Bewertung
★★★★★Starke EvidenzMehrere hochwertige Meta-Analysen oder große randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit konsistenten Ergebnissen bestätigen den Effekt. Die Studienlage gilt als gesichert.
★★★★☆Gute EvidenzMindestens ein qualitativ hochwertiger RCT mit signifikantem Ergebnis oder mehrere gut designte Kohortenstudien. Die Datenlage ist vielversprechend, aber nicht abschließend.
★★★☆☆Moderate EvidenzMehrere kleinere Studien oder Pilotstudien deuten auf einen Effekt hin. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen.
★★☆☆☆Schwache EvidenzBisher nur vorläufige Daten: Tierstudien, In-vitro-Untersuchungen oder einzelne Beobachtungsstudien. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht gesichert.
★☆☆☆☆Keine ausreichende EvidenzKeine belastbaren wissenschaftlichen Daten verfügbar. Vorhandene Belege beschränken sich auf Erfahrungsberichte oder traditionelle Anwendung ohne Studienstützung.

Wichtig: Unsere Evidenzbewertung bezieht sich immer auf einen konkreten Wirkstoff in Bezug auf einen konkreten Effekt – nicht auf ein Produkt als Ganzes. Ein Produkt kann Inhaltsstoffe mit unterschiedlichen Evidenzstufen enthalten. Die Gesamtbewertung eines Produkts auf unseren Produktseiten berücksichtigt neben der Evidenz auch Dosierung, Bioverfügbarkeit und Transparenz des Herstellers.

Wie wir mit widersprüchlicher Evidenz umgehen

Wissenschaft ist kein abgeschlossener Prozess. Es kommt vor, dass Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen – etwa weil unterschiedliche Dosierungen, Studiendesigns oder Teilnehmergruppen untersucht wurden. In solchen Fällen gehen wir transparent damit um:

  • Wir stellen die widersprüchlichen Befunde nebeneinander dar, ohne einen künstlichen Konsens zu konstruieren.
  • Wir gewichten Meta-Analysen und große RCTs stärker als einzelne kleinere Studien.
  • Wir benennen mögliche Gründe für die Diskrepanz (z. B. unterschiedliche Dosierungen oder Studienlängen).
  • Wir kennzeichnen die Gesamtlage als „nicht eindeutig“, wenn keine klare Richtung erkennbar ist.

Unser Ziel ist nicht, Ihnen eine einfache Antwort zu geben, wenn die Forschungslage komplex ist. Unser Ziel ist, Ihnen die Fakten so aufzubereiten, dass Sie selbst eine informierte Einschätzung treffen können.

Häufige Fragen zu unseren Quellen und unserer Methodik

Warum verlinkt ihr auf PubMed statt auf populärwissenschaftliche Artikel?

Populärwissenschaftliche Artikel fassen Studien zusammen – oft vereinfacht und manchmal mit eigener Interpretation. PubMed führt direkt zur Originalquelle: dem Abstract oder Volltext der Studie, wie er von den Forschern selbst veröffentlicht und von Fachkollegen begutachtet wurde. So können Sie sich ein eigenes Bild machen, ohne auf die Interpretation Dritter angewiesen zu sein. Zudem sind PubMed-Links dauerhaft stabil – Nachrichtenartikel verschwinden, Studien-Abstracts bleiben.

Was macht ihr, wenn eine Studie vom Hersteller finanziert wurde?

Industriefinanzierte Studien schließen wir nicht pauschal aus – viele wichtige Ernährungsstudien werden von der Industrie mitfinanziert. Allerdings prüfen wir bei herstellerfinanzierten Studien besonders kritisch: Wurde ein unabhängiges Studiendesign verwendet? Gab es eine Verblindung? Wurden die Ergebnisse in einer peer-reviewed Zeitschrift veröffentlicht? Gibt es unabhängige Replikationsstudien? Wir kennzeichnen die Finanzierungsquelle in unserer Bewertung, damit Sie diese Information in Ihre eigene Einschätzung einbeziehen können.

Wie oft aktualisiert ihr eure Quellenverweise?

Unsere Redaktion prüft jeden veröffentlichten Artikel mindestens einmal jährlich auf Aktualität. Wenn eine bedeutsame neue Studie erscheint – etwa eine große Meta-Analyse, die bisherige Ergebnisse revidiert –, aktualisieren wir den betroffenen Artikel auch außerhalb des regulären Prüfzyklus. Das Datum der letzten Überprüfung ist auf jedem Artikel sichtbar, sodass Sie jederzeit erkennen können, wie aktuell die Informationen sind.

Können Leser Studien vorschlagen, die ihr berücksichtigen solltet?

Ausdrücklich ja. Wir freuen uns über Hinweise auf relevante Studien, die wir möglicherweise übersehen haben. Senden Sie uns einfach den PubMed-Link oder DOI an redaktion@apotheke-wasserburg.de – unser Team prüft jeden Vorschlag und berücksichtigt relevante Studien bei der nächsten Aktualisierung des betreffenden Artikels. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nicht jeden Vorschlag individuell beantworten können.

Warum bewertet ihr manche Inhaltsstoffe trotz positiver Studien nur mit 2–3 Sternen?

Ein positives Studienergebnis allein reicht nicht für eine hohe Bewertung. Entscheidend ist die Gesamtevidenz: Wie viele unabhängige Studien bestätigen den Effekt? Wie groß waren die Stichproben? Handelt es sich um Humanstudien oder „nur“ um Tierstudien? Gibt es widersprüchliche Ergebnisse? Unser Bewertungssystem bildet diese Komplexität ab. Drei Sterne bedeuten nicht „schlecht“, sondern „vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert“ – eine ehrliche Einordnung, die Ihnen mehr nützt als eine künstlich aufgebauschte 5-Sterne-Bewertung.